Barf und Massentierhaltung

Ansätze und Hilfestellungen

Barf und Massentierhaltung

Beitragvon Lotta » Mo 19. Mai 2014, 13:48

Hallo,
vielleicht schon ein „abgeschmacktes“ Thema? Aber es beschäftigt mich.

Ich möchte die Ernährung von Lotta ebenfalls auf Barf umstellen. Allerdings fühle ich mich nicht sehr wohl dabei. Anderen scheint der brutale „Tiergebrauch und -verbrauch“ in der Nahrungsmittelindustrie ebenfalls zu denken zu geben. Gerade in der letzten Zeit fallen mir immer mehr Beiträge im Radio oder in der Zeitung auf, in denen richtiger Weise die Ethik unseres Umganges mit Tieren problematisiert wird. Ich finde die Fleischberge in Supermärkten, das achtlose Wegwerfen von Speiseresten so entsetzlich, dass ich mich daran nicht beteilige. Tiere werden indirekt durch uns, durch unseren Verbrauch, gequält, denn Tiere haben Empfindungen, wie Freude, Einsamkeit, Wohlgefühl etc., wie wir oder wie unsere Hunde, trotzdem tun wir Verbraucher so als seien sie gefühllose Sachen.

Daher stellt sich für mich die Frage, darf ich meinem Hund ethisch überhaupt Fleisch aus dem Schlachthof, dem Supermarkt, dem Versender geben und damit das System der Angst und Qual unterstützen? Die Fleischversender z.B. werben damit dass das Fleisch „frisch, qualitativ einmalig“ ist „man solle es in die Pfanne legen und werde sehen wie toll“ … initiieren wir mit der steigenden Zahl der Barfer nicht weitere Massentierhaltung, neues Leid? (Bei Trockenfutter dürfte es sich ja wohl überwiegend um Produkte aus der Tierverwertung handeln.)

Ich akzeptiere inzwischen dass ein Hund ein überwiegender Fleischfresser ist. Deshalb habe mir jetzt eine Bezugsmöglichkeit bei einem Metzger gesucht, der selbst schlachtet und der mir wirklich nur den „Abfall“ gibt, der ja in unserer Wohlstandsgesellschaft immer noch erstklassig ist. Ich werde für mich weiterhin, bis auf wenige Ausnahmen (Essenseinladungen, wenn ich die Tierhaltung kenne) auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten. Wissend, dass ich mit meiner vegetarischen Ernährung immer noch zumindest für das Leid der Kühe verantwortlich bin. Die Kühe leiden und schreien genau so wie wir, wenn man uns die Kinder/Kälber, einfach so, wegnähme. Unsere Hunde würden wir nicht so behandeln.

Wie seht ihr das?
Lotta
 

Re: Barf und Massentierhaltung

Beitragvon Anja1402 » Mo 19. Mai 2014, 15:35

Hallo Lotta,

Lotta hat geschrieben:Daher stellt sich für mich die Frage, darf ich meinem Hund ethisch überhaupt Fleisch aus dem Schlachthof, dem Supermarkt, dem Versender geben und damit das System der Angst und Qual unterstützen? Die Fleischversender z.B. werben damit dass das Fleisch „frisch, qualitativ einmalig“ ist „man solle es in die Pfanne legen und werde sehen wie toll“ … initiieren wir mit der steigenden Zahl der Barfer nicht weitere Massentierhaltung, neues Leid? (Bei Trockenfutter dürfte es sich ja wohl überwiegend um Produkte aus der Tierverwertung handeln.)


Also beim Barfen solltest du das Fleisch eigentlich nicht in die Pfanne legen (oder wenn doch, dann die Pfanne zumindest nicht auf den heißen Herd stellen), schließlich heißt BARF ja ROHfütterung :dog_wink

davon abgesehen handelt es sich bei dem Fleisch, was von den Lieferanten tatsächlich als BARF-Futter verkauft wird, soweit ich weiß, auch in erster Linie um Reste aus der Tierverwertung, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet sind oder nicht dafür in Frage kommen, wie Pansen, Hälse, sehniges oder stark durchwachsenes Fleisch, was Menschen niemals essen würden, weil es einfach zu zäh ist und und und. meines Wissens nach werden für die Herstellung von Rohfutter für Hunde/Katzen keine Tiere extra geschlachtet!

wenn du deinem Hund ruhigen Gewissens Fleisch geben willst, kannst zB bei Karnivor einkaufen, die achten darauf, dass das Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung stammt.
Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!
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Re: Barf und Massentierhaltung

Beitragvon Uschi » Mo 19. Mai 2014, 15:38

Hallo Lotta,

Lotta hat geschrieben:Daher stellt sich für mich die Frage, darf ich meinem Hund ethisch überhaupt Fleisch aus dem Schlachthof, dem Supermarkt, dem Versender geben und damit das System der Angst und Qual unterstützen?

Mit Rohfütterung unterstützt Du dieses System nicht mehr, als wenn Du Trockenfutter fütterst. Auch im Trockenfutter ist Fleisch, auch das kommt aus dem Schlachthof, auch dafür mussten Tiere ihr Leben lassen.

Deine Entscheidung bei einem Metzger die Stücke zu kaufen, die er nicht in die Theke legen kann, finde ich gut. Ich mache das auch so. Ebenfalls mache ich es so mit einem regionalen Familien-Geflügelhof und der Pferdemetzgerei. Ich bekomme als Hundefutter das, was sich nicht als "Menschenfutter" verkaufen lässt.

Ein Hund, eine Katze ist nunmal ein Fleischfresser. In Freiheit würde er sich ein Tier fangen und es verzehren. Ich finde, dem sollten wir schon Rechnung tragen. Wenn wir selbst kein Fleisch essen wollen aus Deinen genannten Gründen, dann ist das in Ordnung. Aber unseren Hunden sollten wir die ihnen gemäße Erährung auf jeden Fall geben.


Lotta hat geschrieben:(Bei Trockenfutter dürfte es sich ja wohl überwiegend um Produkte aus der Tierverwertung handeln.)

Nicht, dass ich wüsste. Würde es sich so verhalten, dann wär da ja jede Menge Katzen- u. Hundefleisch, Kanarienvogel, Wellensittich, Hamster etc. im Trockenfutter. Das ist zumindest auf keinem einzigen Trofu so deklariert. :dog_wink



LG
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Re: Barf und Massentierhaltung

Beitragvon Eddis » Di 20. Mai 2014, 00:07

Lotta hat geschrieben:Ich akzeptiere inzwischen dass ein Hund ein überwiegender Fleischfresser ist. Deshalb habe mir jetzt eine Bezugsmöglichkeit bei einem Metzger gesucht, der selbst schlachtet und der mir wirklich nur den „Abfall“ gibt, der ja in unserer Wohlstandsgesellschaft immer noch erstklassig ist. Ich werde für mich weiterhin, bis auf wenige Ausnahmen (Essenseinladungen, wenn ich die Tierhaltung kenne) auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten. Wissend, dass ich mit meiner vegetarischen Ernährung immer noch zumindest für das Leid der Kühe verantwortlich bin. Die Kühe leiden und schreien genau so wie wir, wenn man uns die Kinder/Kälber, einfach so, wegnähme. Unsere Hunde würden wir nicht so behandeln.

Wie seht ihr das?


Der Hund ist ein Fleischfresser, ob du es akzeptierst oder nicht. Es ist eine Tatsache. Hast du mal in einem Kuhstall gearbeitet? Kühe schreien nicht, sie leben mit ihren Kälbern zusammen auf der Weide und sind ziemlich wehrhaft. Sie existieren weil sie der menschlichen Ernährung dienen. Dafür wurden sie gezüchtet, so wie sie sind. Wäre es nicht so, dann würden sie wild leben, weniger Milch produzieren und es wären viel weniger Exemplare. Kannst du auch auf Schweine, Hühner, Puten, Lachse...beziehen. Sie existieren in diesen Mengen und mit diesen Eigenschaften weil wir es so wollen.

Die Katze frißt Mäuse ohne sie vorher zu betäuben. Unzählige arme Mäusekinder ersticken im Magen einer Katze, werden bei lebendigem Leib zerstückelt oder verbluten ohne Kopf neben einer Haustür. Und? Noch schlimmer ist es mit Amselkindern oder Blaumeisen. Keiner regt sich auf, keiner würde sagen. Schaut her, es ist unmenschlich, ich mag keine Katzen, sie haben Blut an den Krallen. Aber der Hund soll den Abfall der Wohlstandsgesellschaft fressen?
Lieber Gruß Simona mit Sir Eddi
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Re: Barf und Massentierhaltung

Beitragvon Ira » Di 20. Mai 2014, 13:03

Hallo Lotta,
Ich muss mich mal zu Wort melden, denn ich hab für deine Ansichten ein gewisses Verständnis, ich finde die Zustände in unserer industrialisierten Massentierhaltung unerträglich. Man geht mit Tieren wie mit Waren um, stopft sie voll Kraftfutter und Medikamente, pfercht sie viel zu eng zusammen, um sie dann am Fließband abzuschlachten, das alles nur, weil der gemeine vollgefressene Deutsche möglichst billig 3x am Tag sein Fleisch braucht. Das nur so zu deiner Unterstützung, :dog_wink denn das Thema liegt mir auch am Herzen.

Trotzdem ist mein Hund ein Fleischfresser und kein Veganer (bin ja neu bei den Frischfleisch-Fütterern) und ich habe es für mich so gelöst, dass ich bei Karnivor kaufe, du kannst dich dort informieren, du könntest auch hinfahren. Sie legen dort Wert auf artgerechte Tierhaltung, es ist natürlich etwas teurer als bei den anderen Anbietern, aber das geht ja nun nicht anders. Wo das Fleisch in den Fertigprodukten für Hunde allerdings herkommt, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.
Ich selber bin kein Vegetarier, esse aber sehr wenig Fleisch, und schaue, wo es herkommt.

Leute, die ihren Hund vegan ernähren, weil sie den Anblick des Hundeessens nicht ertragen können, kann ich nicht verstehen, das ist dann nämlich auch nicht artgerecht. Dann fände ich es konsequenter, sich einen Hasen oder ein anderes pflanzenfressendes Tier anzuschaffen, seine persönliche Anschauung aber bitte nicht den Hund ausbaden zu lassen, der kann nichts dafür, dass er ein Wolf-Nachfahre ist.

Trotzdem kann ich diesen Satz von Simona so nicht mittragen:.
Sie existieren weil sie der menschlichen Ernährung dienen. Dafür wurden sie gezüchtet, so wie sie sind. Wäre es nicht so, dann würden sie wild leben, weniger Milch produzieren und es wären viel weniger Exemplare.
Das ist mir zu wenig empathisch ggü unseren Mitgeschöpfen.
LG, Ira
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Re: Barf und Massentierhaltung

Beitragvon lutz » Di 20. Mai 2014, 15:40

Hallo AT-Freunde,

darüber gibt es in der heutigen "Spiegel"-Ausgabe in der Rubrik Psychologie unter dem Titel: "Kann es Liebe sein?" einen interessanten Artikel:
Forscher wollen ein uraltes Rätsel lösen: Warum essen Menschen das Fleisch von Tieren, deren Leid sie nicht ertragen können?

Ein Fazit: Als aufwühlend und widerlich empfinde die Mehrzahl der Fleischesser den Gedanken an leidende Tiere.
Kurios nur: Kaum liegt das Schnitzel auf dem Teller, verpufft das Mitleid. Liebhaber von Buletten und Bratwürsten können ihre Tierliebe an und ausschalten wie einen Lichtschalter.
Das Essen von Tieren verringert aktiv die moralischen Bedenken.

Ein Siegeszug der Vegetarier ist jedenfalls in naher Zukunft nicht zu erwarten.
(nur ca.7% der Menschen ernähren sich fleischlos wenn nicht gar vegan).

Und natürlich bekommt auch mein Hund als Fleischfresser von Natur, dafür kann er nun schließlich gar nichts, die für seine optimale Ernährung notwendige Menge Fleisch und selbstverständlich auch anständiges, hochwertiges Muskelfleisch und kein Abfallfleisch. denn darüber sollten wir uns mal im Klaren sein, wenn wir unseren Hund nur mit Abfallfleisch ernähren bekommt deswegen in der dritten Welt kein einziger Bewohner deswegen ein anständiges Steak auf den Tisch.
in den USA wird da sowieso von der Tierfutterindustrie kein Trallala gemacht und Fleisch für Mensch und Tier getrennt. Da wandern komplette Viehherden in die Tierfutterfabriken und werden dort zur Gänze verarbeitet.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.
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