Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

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Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon lutz » Mi 22. Feb 2017, 16:49

Hallo AT-Freunde,

dieses Thema gehört für mich zu den Interessantesten in der Hundehaltung des Airedales überhaupt.
Wodurch unterscheidet sich ein Airedale von anderem Hunderassen in Wesen und Charakter? Oder tut er das gar nicht, Ist Hund nicht einfach Hund??
Unterschiede im Körperbau sind klar zu erkennen aber in den Kopf eines Hundes hineinzugucken ist schon schwieriger.
Muss man deswegen Hundepsychologie in der Schweiz studiert haben oder Biologie mit dem Zusatz Verhaltensbiologie in Deutschland?
Oder kommt man mit selbst gemachten Erfahrungen und Beobachtungen hier weiter als mit einem Studium?
Muss man hier doch Unterscheidungen, gerade auch zwischen den verschiedenen anderen Gebrauchshunderassen im Vergleich zum Airedale berücksichtigen um ihm in möglichst vielen Bereichen gerecht zu werden?
Ist ein Airedale aufgrund seiner Terriereigenschaften schwerer oder nur anders zu erziehen als andere Hunde? Wenn ja wie?
Was mögt ihr am Charakter des Airedales am liebsten und womit habt ihr Schwierigkeiten?

Das sind Fragen wo mich auch die selbst gemachten Erfahrungen anderer Airedalefreunde sehr interessieren. Denn ich habe aus eigenen Erfahrungen feststellen müssen dass sich zwar die generellen rassespezifischen Eigenschaften bei allen AT finden lassen aber pm Einzelnen doch sehr unterschiedlich verteilt sein können.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen und Meinungen.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
was die Natur vereint hat, soll keine Frau trennen.
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Anja1402 » Mi 22. Feb 2017, 18:27

Hallo Lutz,

interessante Frage - ich denke, wir sind uns alle einig, dass Airedales etwas ganz Besonderes sind ;-) Vergleiche mit anderen Rassen kann man sicher am besten ziehen, wenn man mit anderen Rassen auch diverse Erfahrungen gesammelt hat, und wer schon mehrere ATs hatte oder hat, kann sicher auch mehr dazu beitragen als jemand wie ich, der seinen 1. AT besitzt. Meine Beobachtungen und Ansichten beziehen sich also in erster Linie auf Struppi :brav
Was ich für mich bisher feststellen konnte: Airedales sind definitv anderes zu erziehen als andere Rassen. Schwerer würde ich es nicht nennen, vielleicht anspruchsvoller - man muss sich etwas mehr Mühe geben und auf den Hund eingehen, und wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert, andere Möglichkeiten ausprobieren. Das Labrador-Patenrezept "Mit Keks wedeln, dann macht er alles" funktioniert bei meinem Hund quasi nie. Ein AT hinterfragt mehr, ist eigenwilliger und selbstständiger - wenn für ihn nichts (oder nichts Interessantes) dabei herausspringt, macht er nicht unbedingt das, was ich von ihm verlange. Das ist einerseits eine tolle Eigenschaft, kann aber auch manchmal anstrengend werden. Wenn er sich aber zu etwas motivieren lässt, ist er zu 1000% dabei und gibt alles, sodass man ihn teilweise bremsen muss, damit er nicht übers Ziel hinausschießt. Was mich auch gleich zu einer weiteren tollen Eigenschaft bringt: Mein Airedale ist immer gut drauf und für jeden Blödsinn zu haben, wenn ich über seine Kaspereien lache, dreht er erst recht richtig auf. Ich habe noch nie erlebt, dass Struppi mal schlecht drauf oder "depressiv" war, selbst die paar Male, als er krank war (Magen-Darm und Zwingerhusten), schleppte er seine Spielsachen an oder forderte Aufmerksamkeit ein.

Außerdem finde ich, dass Airedales extrem selbstbewusst und furchtlos sind, ich würde es manchmal sogar als größenwahnsinnig bezeichnen. Die typische Airedale-Schlafhaltung - auf dem Rücken, alle vier Beine in die Luft gestreckt - finde ich sehr bezeichnend, denn so legen sich doch nur Hunde hin, die sich absolut sicher fühlen und keine Angst vor nichts und niemandem haben, oder? Und diese Schlafhaltung habe ich in dem Ausmaß noch bei keiner anderen Rasse erlebt, höchstens bei vereinzelten Exemplaren.

Was mit an Struppi besonders gefällt, ist, dass er durchaus aktiv ist und alles mitmacht, aber auch gut abschalten kann. Wenn ich die Geschichten der Mali-Besitzer höre, die mit ihrem Hund 20 km Rad fahren, dann noch auf die Fährte und zum Abschluss Ball spielen, und der Hund dreht im Haus trotzdem noch am Rad, bin ich froh, dass mein AT genau weiß: Draußen ist Action angesagt, drinnen Ruhe. Außerdem ist er sehr sensibel und kann sich außergewöhnlichen Menschen oder Situationen gut anpassen. Beispiel: Wir hatten (und haben teilweise immer noch) das Problem, dass er Besucher vor lauter Übermut anspringt. Das macht er aber nur bei Erwachsenen - bei kleinen Kindern und älteren, nicht mehr so standfesten Menschen hält er sich zurück, obwohl wir ihm das nie gezielt beigebracht haben. Wenn ich mal krank bin, fordert er nicht seine übliche Morgenrunde ein, sondern legt sich neben mein Bett und macht keinen Mucks.
Diese Eigenschaften machen den Airedale in meinen Augen zu einem tollen "Gebrauchshund", ich kann weder mit einer Schlaftablette noch mit einem Nervenbündel was anfangen, und ich finde, dadurch eignet er sich auch hervorragend für viele verschiedene Einsatzbereiche - auch wenn seine Ausbildung etwas länger dauert als zB bei einem Schäferhund.

So, das waren erst mal meine Gedanken zu dem Thema... die anderen können bestimmt noch mehr aufzählen :dog_rolleyes
Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon chromosome » Mi 22. Feb 2017, 21:55

Nach nunmehr 14 Monaten Airedale Erfahrung (der bisher einzige AT, zuvor hatten wir eine Hündin Mix DSH Collie), und im direkten Vergleich zu diversen anderen Hunden um mich herum, insbesondere auf dem Hundeplatz: habe ich primär den Eindruck, dass meine junge Dame sehr wohl sehr arbeitswillig und begeisterungsfähig ist, aber zugleich sehr leicht ablenkbar. Ich muss stets 150% aufmerksam sein um den richtigen Moment nicht zu verpassen einzuhaken. Irgendwie kommt mir an dem Hund alles extrem schnell vor ... Aufmerksamkeit zu bekommen, insbesondere zu halten ist echt ne Kunst bei Ihr. Ob das nun AT-typisch ist, oder dem Alter geschuldet oder ne individuelle Macke ... who knows.

Superschlau ist sie darin, negative Verhaltensketten aufzubauen, also Dinge zu machen von denen sie weiss dass sie es nicht soll ... denn es besteht ja die Chance, dass fürs Aufhören was positives, und sei es Aufmerksamkeit, bei rumkommt ... auch da muss ich höllisch aufpassen dass ich nicht drauf reinfalle!

Weiters passt sie sehr gut und gerne aufs Grundstück auf, ist beharrlich unermüdlich oder eben auch stur (nennt es wie ihr wollt) ...

Nasenarbeit kann sie sehr gut, ich mache MT mit ihr und das gelingt prima und mit Riesenfreude. Wenn ich nur das Trailinggeschirr in Sichtweite raushole, geht die Post ab und sie ist kaum noch zu halten.

Jagdtrieb ist leider auch da. Wenn der Hase startet, ist sie nicht mehr abrufbar. Da hab ich noch was zu tun. Weiss aber ehrlich gesagt noch nicht so richtig wie ich das wegbekomme ...

Alles in allem scheint dies wohl dem AT-Klischee zu entsprechen und da bin ich eigentlic auch sehr froh drum.

Beste Grüße
Manu mit Charlotte
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Empisandrea » Mi 22. Feb 2017, 22:28

Der AT ist schon immer meine Wunschrasse gewesen. Ich steh auf Terrier weil sie einen eigenen Kopf haben und keine Befehlsempfänger sind. Ob Benton nun typisch AT oder typisch Terrier ist......
Er hat immer gute Laune, hatte mein Foxterrier auch.
Wenn um 5 Uhr der Wecker klingelt steht er Gewehr bei Fuß und kann auf der Stelle loslegen, mein Fox hat auch gern noch etwas geschlafen bis die Blase gedrückt hat.
Beide waren bzw. sind echte Balljunkies.
Benton liebt den Hundeplatz mit seinen Hindernissen und mag auch die Unterordnungsübung. Beim Trailen kann er nicht abwarten und steht immer unter Strom.
Aber.....draußen volle Power und im Haus ruhig und unauffällig.
Sehr wachsam. Mutig? Nicht immer! Sein Jagdtrieb geht auf "klein und huschig" und nur auf Sicht. Wenn Kaninchen im Loch oder Eichhörnchen im Baum ist die Jagd vorbei. Großwild wird ignoriert. Ich glaub er denkt es sind Pferde happy_02 .
Er ist meinem Fox sehr ähnlich. Aber er ist freundlicher. Er teilt sein Spielzeug mit jedem, Zocker hat verteidigt, auch gegen Doggen und Rottweiler.
Was seine Individualität ist.....er spielt nicht mit anderen Hunden, ist Menschen gegenüber sehr zurückhaltend und er mag nicht allzuviel körperliche Nähe.
Für mich wird es aber immer wieder ein AT sein.
Freundschaft heißt, was Dich und mich in Freud und Leid verbindet,
und immer enger wird dies Band, je mehr die Zeit entschwindet.
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Bavaria » Do 23. Feb 2017, 07:17

Hallo Lutz,

ein sehr interessantes Thema! An dem ich mich gern beteilige.
Ich hab ja nun 4 AT`s hier, eigentlich war es so nicht geplant, aber es kommt immer anders, als man denkt und ich möchte, obwohl sie alle sehr unterschiedlich sind, keinen missen.
Topi, ist und bleibt eine "Diva", ihr " langt, daß sie weiss das sie könnt,wenn sie woll`n tät, aber sie tut`s nicht, weil sie muss nicht!" happy_02 Eine selbstsichere Hündin, die aber stinkend faul ist und die immer ihren eigenen Kopf durchsetzt und falls das nicht so funktioniert, mit scheinbarem Meiden reagiert, es ist aber bei ihr eher der sehr deutliche Ausdruck, ihres Verweigerns. Sie läßt sich streicheln, wenn sie will, wenn nicht dann kommt sie eben nicht. Typisch für sie, kommen "streicheln einfordern", um dann nach 2 Min. pissig in ihren Korb zu verschwinden, weil sie genug vom Schmusen hat.Hundeplatz ja, wenn sie Lust hat, ist sie gut, wenn sie keine Lust hat, dann Null....kleinste messsbare Geschwindigkeit?: "ein Topi". Was sie immer gern macht: Spazierengehen und Fressen. Sie mag Menschen und insbesondere Kinder und alte Menschen, ist immer freundlich. Lustig ist, sie hat sich nun mit den Airedaleterriern angefreundet, wirklich freuen tut sie sich bei Dobermännern, sie glaubt wohl immer noch, sie wäre selber Einer.

Vari, eine selbstsichere, sehr autarke Hündin, ich liebe sie über alles, sie mich auch, aber sie ruht in sich selbst und "braucht niemanden", ich bin überzeugt, sie käme auch in freier Wildbahn allein klar. Sie ist bei jeder Aktivität gern dabei. Hat Temperament und macht viel Spaß...Hundeplatz, Baden, Fortfahren, Fahrrad....Vari ist sofort mit Feuereifer dabei. Schmusen ja, aber nicht viel, nur, wenn sie will. Manchmal würde ich sie gern mehr knuddeln...
Dafür ist sie frech bis dreist, hat eine unglaubliche Trittsicherheit, und einen extremen Gleichgewichtssinn, ein Balancieren auf der Lehne von Sesseln und Sofas gehört zu ihren leichtesten Übungen und macht ihr Spaß.Sie ist im Wesen etwas "maskuliner" als Topi. Fremden und deren Hunden gegenüber eher reserviert, sie läßt sich nie die "Butter vom Brot nehmen" und ist da eher dominant. Mir gegenüber sehr treu, mich ständig beobachtend und immer an meiner Seite. Bei Freude, wird sie sehr geschwätzig happy_02

Lady, kam mit 2 Jahren zu mir. Eine sehr liebe,lebhafte, sehr tempramentvolle Hündin, die aber bedingt durch ihren späten Einzug mir immer am "Rockzipfel" hängt happy_02 . Sie steht auf dem Standpunkt, sitz ich bei Frauchen auf dem Schoß, dann geht die nicht verloren! Sehr schmusig, sehr anhänglich, sehr auf Körperkonatkt bedacht. Fremden gegenüber nett, mit fremden Hunden eher unfreundlich. Verfressen. Viel Power, bei Gassigehen und allen anderen Aktivitäten. Ich liebe meine Schmusemaus. Was nun bei ihr angeboren / durch die ersten 2 Jahre geprägt wurde, ist schwer zu sagen. Sie ist mein Schatten.

Cille happy_02 happy_02 der Grobmotoriker, ähnelt im Wesen seiner Mutter Vari sehr, auch wenn er den netten Ausdruck seines Vaters im Gesicht hat. Ein "Haudrauf" was sicher auch noch seiner Jugend geschuldet ist. Er ist allerdings liebesbedürftiger, als seine Mutter, und schmust sehr gern.Tyranisiert mit seiner Jugend die Damen :) : toben, rangeln....er kann die Weiber nicht liegen sehen ( gut das sich das auf 3 verteilt). Aber er ist ja auch noch nicht "ausgebacken".

Was sie alle haben? Lustig sind sie und bei Freude wird "grundsätzlich gebellt und die Mette" gemacht, da waren die Dobis ruhiger, die " winselten nur nervend". Die Erziehung beim AT ist einfacher als beim Dobermann, Letzterer ist viel nerviger und damit bei Erregung viel schwerer handlbar. Der AT wird von mir lockerer erzogen, dafür mit viel mehr Motivation, als beim Dobermann, den fuhr man in seinem Trieb überall hin, da war weniger mehr und absolute Ruhe und Konsequenz gefragt. Beim AT genieße ich das " Blödeln", den Schalk im Nacken, aber auch das ( im Verhältnis zum Dobermann) sehr entspanntes Verhältnis zu fremden Hunden und Menschen. Ein Airedale ist bei Weitem nicht so unfreundlich, wie ein Dobermann zu ins Rudel "eindringende" Fremdhunde. Die AT`s bellen mehr, als der Dobi ( insbesondere Lady und Vari hören die Fliege auf dem Hof husten und melden es sofort).Der Dobermann ist schmusiger als der AT, der AT i.R. nur wenn er will, der Dobermann will immer Körperkontakt. Das Spielen des AT`s hört sich mit Knurren und Rangeln grob an, zu Anfang war ich da sehr wachsam, beim Dobermann wäre bei einer solchen Geräuschkulisse sofort eine saftige Rauferei in Gang gekommen, beim Terrier ist das harmlos: " Terriergeschiss". ( Musste ich lernen happy_02 )
Alles in allem: sie sind anders, als der Dobermann, aber ich genieße das sehr. Was man sicher braucht... etwas mehr Humor und Gelassenheit, dafür ist es entspannter und leichter handlbar ( schon wegen der halben Gewichtsklasse).
LG Bine
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon grey » Do 23. Feb 2017, 11:31

guten Morgen in die Runde,

wie tickt ein Airedale? gute Frage.
Ich möchte sie mit selbst erlebten Beispielen beantworten. Ich habe jetzt meinen 3. AT ( bzw.er mich), kenne die Rasse seit 1970, da meine Schwiegermutter AT gezüchtet hat.

1. Ich das erste Mal bei der Schwiegermutter,1 x übernachtet, wir arbeiten im Garten. Sie bittet mich, ein Werkzeug zu holen aus dem Wandschrank im Haus. Vor dem Wandschrank ist das Lager der AT Hündin, die einen Wurf von 5 Wochen hat.
Die ansonsten sehr wachsame Hündin begleitet mich im Haus, beobachtet mich und bleibt absolut gelassen.

2. meine Jüngste lernt Krabbeln. wir sind im oberen Stockwerk, ich bin (sorry) gerade auf der Toilette, plötzlich schreit das Kind laut und zornig. Ich schaue nach: Der Hund hat sich quer vor die Treppe gelegt und damit dem Kind den Weg runter blockiert. Hatte ihm keiner gesagt.

3. meinen 2. AT hatte ich zum Rettungshund ausgebildet. Und jedes Mal, wenn er eine Übung begriffen hatte, versuchte er, auf eine andere Art zum Ziel zu kommen, auch in der Unterordnung. Der hat mir Konsequenz beigebracht!
Er ist auch nie blindlings in die Trümmer gerannt, sondern hat sich erst kurz umgeschaut, was weder Schäferhunde noch Riesenschnauzer, Collies etc. gemacht haben.

4.die erste Nacht, als ich den 9jährigen Nando zu mir und dem 6jährigen BorderT Flynn holte, habe ich den Großen in einer Softbox geparkt, sicherheitshalber. Als ich ihn am Morgen dann rausholen wollte, öffnete er ganz cool mit der Pfote selber den Reißverschluß, und ich bilde mir ein, er hat dabei gegrinst. :dog_tongue2

Kurzum, der AT kann durch Beobachtung selber Schlüsse ziehen oder sich eine Meinung bilden, das ist für Enthusiasten so wertvoll und für die Anfänger so anspruchsvoll.

habt eine schönen Tag
Ingrid mit Nando, 14J. und Flynn 10J.
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Susa » Do 23. Feb 2017, 18:40

Hallo Lutz,

ja, man kommt ins Schwärmen, wenn man über den Airedale und seine Eigenschaften nachdenkt! Bevor 2001 Indy bei uns einzog, hab ich keinen Gedanken an Hundehaltung verschwendet, war mit meinen damals kleinen Kindern voll ausgelastet. Kam allerdings das Gespräch auf Hunde bzw. Hundehaltung, wusste ich immer ganz genau: "Sollten wir mal einen Hund bei uns einziehen lassen, dann muss es so einer mit viereckigem Gesicht sein!" Damals wusste ich noch nicht, dass der Airedale Airedale heißt :dog_nowink

Du fragst, was wir an unseren ATs so lieben und was nicht: Ersteres ist bei mir der Kasperkopp und zweitens der Jagdtrieb.

Der Tag beginnt einfach gut, wenn ich morgens aufstehe und Dana vom Sofa springen höre. Denn sie weiß, dass sie dort nicht liegen soll, sondern in ihrem Hundebett. Da bleibt sie auch - zunächst - aber im Laufe der Nacht zieht sie dann aufs Sofa im Wohnzimmer um, wo sie liegen bleibt, bis sie die Schlafzimmertür morgens aufgehen hört. Komme ich dann runter, liegt sie zusammengerollt auf ihrem Hundepolster und tut so, als hätte sie die ganze Nacht dort verbracht.

Ich schätze am AT die Eigenständigkeit, die Freundlichkeit und den Witz! Die schwarze Lackritznase mit dem Bart darunter, die Knopfäuglein und die Kippohren, dazu der immer fröhlich wedelnde Schwanz zaubern so manchem Spaziergänger, dem wir unterwegs begegnen ein Lachen ins Gesicht. Letztes Jahr im Mai waren wir in Luzern und ich weiß nicht mehr wie oft ich den Ausruf "Oh ein Airedale!" hörte. Besonders die Amis waren hin und weg und verteilten Streicheleinheiten, die Japaner und Chinesen hingegen wollten Dana fotografieren. :herz Dana ließ alles mit stoischer Ruhe über sich ergehen - nachdem sie in der Hoffnung auf Leckerli ihre dicken Pfoten hingehalten hatte.

Ein weiteres Plus ist die Wachsamkeit. Wir benötigen am Gartentörchen keine Klingel - Dana meldet zuverlässig! Dann ist sie aber nicht mehr die freundliche, liebe, sondern ähnelt einem Berserker!

Auf dem Hundeplatz kann sie mich zur Verzweiflung treiben! Wenn die Dame keine Lust hat, sieht man es ihr an. Da ist dann nix mit freudigem Mitmachen, sondern die ganze Körperhaltung sagt "Du kannst mich mal..." Während sie an guten Tagen ihre Übungen 1 mit Sternchen durchführt.

Aber genau das liebe ich so am AT: Dickschädelhund gepaart mit Witz!

Schönes Thema, dass Du da eröffnet hast, Lutz! Weiter so!

LG von Susa
...mit Indy im Herzen
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Uschi » Do 23. Feb 2017, 22:44

Hallo,

die erste, Sina, sehr folgsam, nicht jagend, aber sie war ein Hund voller Angst.

Wijnta, ein fröhliches, neugieriges, mutiges, schalkhaftes, immer zu Unsinn aufgelegtes Mädchen. Nicht immer folgsam, sie hatte durchaus eigene Dinge im Kopf, die sie dann auch unbedingt erledigte.

Yarosch, der Ernsthafte, der gefallen will, immer alles richtig machen will, aufmerksamer Wachhund (im Gegensatz zu Wijnta, die einen nächtlichen Dieb sicher noch gefragt hätte, was sie ihm alles zeigen darf). Er ist ein sehr liebevoller und liebesbedürftiger Bub, ein guter Beobachter. Mutig, aber kein Haudrauf. Er würde nicht unter allen Umständen durch Feuer und Stacheldraht gehen, er wägt ab, ob sich das rentieren würde.

Drei verschiedene Charaktere, denen man als Mensch verschieden gegenüber steht.

Ob Airedales schwieriger zu erziehen sind als andere Rassen, kann ich nicht sagen, ich habe keine Erfahrung mit anderen Rassen. Wenn es Schwierigkeiten gab/gibt führ(t)e ich es auf das individuelle Sosein dieses Hundes zurück und nicht darauf, dass er ein Terrier ist.

Ich liebe besonders die Art, wie der Airedale seine Freude und Fröhlichkeit ausdrückt. Dieses überbordende, überschwengliche. Diese Mimik und Gestik dabei, ich MUSS mich mitfreuen, ich kann mich dem nicht entziehen.

Wenn Yarosch es selbst merkt, dass er das, was die Menschen von ihm wollen, verstanden hat, und er es richtig gemacht hat - er freut sich so, er lacht von einem Ohr zum anderen. Wichtig dabei ist, dass er es SELBST merken muss. Bestätigt man ihn mit einem Lob und er selbst weiß es noch nicht wirklich, freut er sich zwar über das Lob, aber die Freude sieht dann verhaltener aus. Wenn es "klick" gemacht hat im Köpfchen, dann aber....................................... :dog_biggrin

Airedales sind glaub ich die einzigen Hunde die Humor haben und ich behaupte, die wissen das. Sie wickeln uns damit auch trefflich um den kleinen Finger und wir lassen uns gerne wickeln.
Wijnta, als sie beim Obedience-Training in die Box geschickt wurde, eine Beißwurst lag als Ziel darin. Ein gutes Stück weiter weg übten andere das gleiche, allerdings mit einer Schale Katzenfutter als Ziel. Wijnta rannte auf mein Kommando los, schoss übers Ziel hinaus, lief entschlossen zur entfernteren Box, fraß das Katzenfutter des anderen Hundes auf, kam fix zurück gerannt und legte sich ohne weiteres Kommando von mir, in die ihr bestimmte Box neben der Beißwurst nieder, mit freudestrahlenden Augen. Wer soll da schimpfen? Ich konnte das nicht, ich musste darüber lachen. Was Unverständnis bei meinen Mitrainierenden auslöste, denn wie konnte es sein, dass ich über eine solche "Frechheit" auch noch lachen konnte.

Eigentlich gibt es nichts, was mir am Airedale missfällt.



LG
Uschi
Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.

Johann Wolfgang von Goethe
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Eddis » Fr 24. Feb 2017, 00:07

Hm, Eddi ist mein erster Airedale. Er hat lange nicht das Selbstvertrauen eines Welsh-Terriers. Wenn ihm etwas nicht geheuer ist, macht er einen Bogen drumrum oder bellt. Der Welsh würde eher angreifen, er bellt nicht vorher. Beispiel Briefträger. Schon wenn der Diesel anrollt und diese Schiebetür aufgeht, ist Eddi kaum zu halten. Er macht ein Theater, doch (aus Versehen losgelassen) stupst er die Briefträgerin nur kurz an und kommt zurück gerannt.
Die Welsh waren ruhig, Briefträger uninteressant, Klingel uninteressant. Doch wenn der Klempner sich dem Napf nähert, dann sprangen sie ihm an der Brust hoch und bissen zu ohne zu knurren. (Ich hatte 4 verschiedene Rüden)
Die Welshis waren alle samt Mäkler, Eddi dagegen kann immer fressen und viel. Eddi ist nicht futterneidisch, die Welshis konnte man damit bewegen noch einen ungeliebten Happen zu verputzen.
Keiner der Welsh war besonders schmusebedürftig, Eddi sucht von sich aus den Kontakt und will immer bei mir sein. Eddi ist ein Familienhund, er akzeptiert die Enkelkinder und läßt sie gewähren. Einer meiner Welshis war auch so ein Spielhund, die anderen 3 mochten Kinder eher nicht. Eddis Vorgänger war besonders dominant. Unser Jüngster Sohn mußte sich etlichen Herausforderungen stellen.

Was meine Welsh und Airedale Eddi gemeinsam haben, ist der "Hass" auf Katzen. Wobei der Jagdtrieb bei Eddi sehr stark ausgebildet ist. Wild haben die Welshis in Ruhe gelassen.
Gemeinsam haben sie auch diese Lustlosigkeit auf dem Hundeplatz oder wenn unterwegs nichts passiert. Alles wird schnell uninteressant, wenn Frauchen sich nicht etwas einfallen läßt. Von sich aus wird nicht agiert. Das ist beim Retriver nebenan völlig anders, der nervt schon manchmal mit seiner Anmache.

Eddis Airedale Freundin ist übrigens ganz anders. Lieb zu allen Lebewesen, auch zu Katzen, Briefträgern und fremden Hündinnen, immer mit den Augen bei Frauchen, immer voller Lebenslust, Schwanz hoch und voraus. Wie der Retriver. :dog_biggrin

Von daher würde ich sagen, daß der Airedale ein super Familienhund ist, es jedoch auch Unterschiede im Wesen und im Charakter gibt. Ähnlich wie bei der Schachtel Pralinen. Man weiß nicht was man bekommt.
Lieber Gruß Simona mit Sir Eddi
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Re: Wie tickt ein Airedaleterrier in Wesen und Charakter?

Beitragvon Benno » Fr 24. Feb 2017, 14:21

Hallo zusammen,

wir hatten ganz verschiedene Hunde im engeren Familienkreis - 2 Irish Setter Rüden, 2 Shi-Tzu Rüden, Yorkshire Terrier - Rüde und Hündin, 2 Beagle-Rüden , eine Zwergdackel-Hündin und jetzt die beiden AT Rüden.
Alle Hunde waren toll bzw. sind es noch.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich nicht sagen, dass meine AT sich auf besondere Art und Weise von den anderen Rassen unterscheiden.

Natürlich sind meine die perfekten Jungs- aktive Allrounder eben- für jeden Spaß zu haben, immer fröhlich und leicht zu motivieren.
Aber auch bei unseren anderen Hunden war es immer so. Auch sie waren alle aktiv, individuell, charakterstark, schneidig und intelligent - die großen Rassen genauso wie die kleinen.

Ich kann auch nicht in Bezug darauf zustimmen, dass die AT die einzigen Hunde sind, die Humor haben.
Mein Shi-Tzu Rüde ging z.B. mal auf einem gemeinsamen Spaziergang kurzzeitig verloren. Ich fand ihn an einer Bockwurst-Bude wieder - ordentlich in der Schlange stehend. Vor ihm Leute- hinter ihm auch wieder. Das finde ich heute noch witzig.
Dieser Hund war auch mein Beifahrer- kurz nachdem ich die Führerschein-Prüfung bestanden hatte. Habe ich mal zu hart gekuppelt oder nicht sanft genug gebremst- dann seufzte er hörbar laut auf.

Der Humor der Dackeline war unübertroffen - ihre Sturheit auch. Sie hatte immer das letzte Wort (...manchmal ganz leise- aber immer) und sie hat alle Dinge knallhart durchgezogen, die sie sich in den hübschen Kopf gesetzt hatte. Verbot ich ihr etwas, hat sie es gelassen. Aber immer nur so lange, bis die Gelegenheit günstig dafür war, es doch zu tun.
Zwischen meinem Verbot und ihrer erfolgreichen Unterwanderung konnten mehrere Tage liegen- aber sie hat niemals vergessen, wenn noch eine Frage zwischen uns offen war.
Der Dackel war wirklich schwer zu erziehen - um nicht zu sagen gar nicht.
Ich habe es dann aufgegeben - und wir kamen ganz wunderbar miteinander aus. Wenn sie selbst auch von etwas überzeugt war, dann hat sie es ja gemacht.
Aber nur aus eigener Einsicht- niemals nur wegen eines schnöden Befehls.

Mein Benno ist durchaus auch ein Individualist, der gern mal sein Stiefelchen durchzieht. Aber er hat - wie Jaron auch- den "Will to Please" und ist deshalb leicht zu erziehen und zu händeln. Meinen beiden AT ist Harmonie wichtig- sie wollen fröhlich sein, rennen, spielen, schwimmen- eben Spaß am Leben haben und in ihrem Rudel soll es harmonisch zugehen.
Das macht es leicht, sie zu erziehen, zu motivieren,mit ihnen zu arbeiten und sich an ihrer Lebensfreude zu freuen.

Beim Dackel musste Harmonie schon mal hinten anstehen - Grundsatzfragen zu klären hatte für Frieda immer erste Priorität. ;)

Viele Grüße von Anke mit Jaron, Benno und Katze Blue
The next time you think you're perfect, try walking on water.
Benno
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