Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

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Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Morgenstern » Di 2. Okt 2018, 21:23

Ihr Lieben erfahren erfahreneren Airedale-Besitzer,

Der Kalle ist nun knapp über ein Jahr alt und ich fragte mich, was ein Hund in diesem Alter eigentlich können sollte. Wahrscheinlich lässt sich das nicht so einfach beantworten, kommt ja darauf an, wo man so hin möchte mit dem Hund.
Ich mache mit Kalle in der Junghundegruppe Unterordnung, in der Anfängergruppe probieren wir Agility und wir haben angefangen mit Mantrailing. Für den Alltag wünsche ich mir einen Begleiter, der vielen Lebenslagen gewachsen ist 7nd überall mit hingenommen werden kann.
Ich finde an einigen Stellen kann er sehr viel, an anderen... naja... :dog_rolleyes noch nicht :dog_biggrin . Mein Hundetrainer bleibt vage in seinen Aussagen - einerseits solle ich nicht Zuviel verlangen, andererseits dürfe ich in dem Alter auch schon einiges erwarten. Ja was denn nun :dog_biggrin . Und einerseits soll man als Hundeführer natürlich konsequent sein, andererseits findet er mich 150% ig und ich soll mal lockerer sein. Er musste selbst lachen, als ich ihn auf die Widersprüche aufmerksam machte. Ich bleibe etwas ratlos.

Was noch nicht klappt ist (leider) ein sicherer Rückruf. Das ist der Befehl, der zwischendurch mal super und in allen Lebenslagen klappte und dann von einem Tag auf den anderen vergessen wurde. Neu aufgebaut, aber das geht nicht zuverlässig. Recht gut stoppen kann ich ihn aber mit einem hinterher gerufenen ‚Sitz‘. Das klappt ziemlich zuverlässig. Aber 100% in ist nix :dog_wub . Andere Hunde findet Kalle so toll und mega interessant, dass er mich dann manchmal einfach vergisst.
Im Freilauf bekomme ich ihn an anderen Hunden noch nicht einfach vorbei, wenn ich keinen Kontakt wünsche. Mal ja, meist nein. Vielleicht ist das auch Zuviel verlangt?
Auf dem Hundeplatz lenken ihn andere Hunde sehr ab, es fällt ihm schwer, mit der Konzentration bei mir zu sein.
Ansonsten kann ich ihn überall mitnehmen, er liegt im Restaurant usw brav unter dem Tisch, er ist ein perfekter Bürohund, er ist fast überall angenehm. Er ist mein Hundehund. Er kann schon ganz viel, vergisst es nur Mahnmal, weil er gerade andere Prioritäten hat.

Was meint denn ihr, wie weit sollte ein Hund mit einem Jahr sein? Ich ahne schon, dass sich die Frage nicht beantworten lässt. Dann vielleicht anders gefragt: was können bzw. konnten eure Hund mit ziemlich genau 1?

Seid lieb gegrüßt von
Birgit und Kalle
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Anja1402 » Mi 3. Okt 2018, 08:05

Hallo Birgit,

wie du selbst schon schreibst, ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten :dog_biggrin
Airedales sind Spätentwickler und erst mit 2 oder 3 Jahren geistig so ausgereift, dass man von ihnen dann die gleiche Sachen verlangen kann, die zB ein Schäferhund schon mit 1 oder 1,5 kann. Und absolut perfekten, 100%igen Gehorsam wird man (bis auf wenige Ausnahmen) NIE erreichen, es ist immer noch ein Hund, keine Maschine. und mit 1 Jahr steckt ein AT mitten in der Pubertät, da ist alles hochinteressant, vor allem andere Hunde. Sei froh, wenn er dabei freundlich bleibt und nur spielen will :dog_biggrin meiner wurde mit 8 Monaten von einem Boxer gebissen und war ab da kein Sonnenschein mehr, sondern taxierte andere große Rüden sehr genau.
Der Rückruf sollte mit 1 Jahr soweit sitzen, dass du ihn aus alltäglichen Situationen abrufen kannst. Wenn du merkst, er ist mit den Gedanken nicht ganz bei dir: Leine dran, fertig. Airedales sind kluge Hunde, die gerne austesten, daher musst du bei einem Airedale sehr genau sein - wenn du zB "Sitz" sagst und er sich stattdessen hinlegt, solltest du ihn korrigieren; viele Hundehalter denken sich dann "Ach egal, Hauptsache er bleibt an Ort und Stelle". Achte auch darauf, dass DU ein Kommando wieder auflöst, und dass er nicht selbstständig entscheidet, wann es vorbei ist.

Morgenstern hat geschrieben:was können bzw. konnten eure Hund mit ziemlich genau 1?


Puuuh, das ist schon länger her :think: Also was Struppi mit 1 NICHT konnte, war, sich aus dem Spiel mit anderen Hunden abrufen zu lassen happy_02 das klappt mittlerweile aber wunderbar. Ansonsten ließ er sich aber gut zurückrufen. Mit 1 konnte er auch im Restaurant unterm Tisch liegen, ohne von anderen Gästen bemerkt zu werden, wir konnten ihn überall hin mitnehmen. Er konnte sich auf dem Hundeplatz gut konzentrieren und schön Fuß laufen - aber nicht, wenn andere Hunde auf dem Platz waren, außer vielleicht in der Ablage, auch das klappt heute wesentlich besser. Mehr fällt mir jetzt gerade auch nicht ein :dog_wub

LG Anja
Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen!
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Lena » Mi 3. Okt 2018, 12:34

Hallo Birgit,
es ist so, wie Anja schon geschrieben hat; bei einem einjährigen AT kann man noch keine Perfektion erwarten.
Selbst wenn heute irgendwas super gut klappt, kann es morgen schon vergessen sein. Bei einem Einjährigen läßt die Pubertät voll grüßen, das ist ein Überraschungsei. :dog_laugh

Was mir immer sehr wichtig war bei meinen Rüden, weil ich vorher mitten in der Stadt gewohnt habe, war das zuverlässige bei Fuß gehen. Das konnten meine Jungs in dem Alter wirklich schon perfekt. Bei Käthe bin ich da großzügiger, ich wohne jetzt ländlich, da ist es mir nicht so wichtig. :dog_nowink

Ansonsten hört sich deine Beschreibung schon sehr positiv an. Den Superrückruf hab ich mir immer für ganz wichtige Situationen aufgespart, nämlich dann, wenn Hund z.B. gerade im Begriff war, auf eine viel befahrene Strasse oder ähnliches, zuzulaufen. Der Superrückruf muß befolgt werden!
Der normale Rückruf eher mal nicht. :dog_happy Überhaupt würde ich Kommandos, von denen ich schon von vorneherein weiß, daß sie nicht befolgt werden, nicht geben.

Die Erwartungen, die du an deinen Hund hast, wird er wahrscheinlich erst mit ca. vier Jahren erfüllen können. Im Moment ist er einfach nur ein junger Hitzkopf, der mehr Unsinn als sonstwas im Kopf hat.

LG Lena
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon lutz » Mi 3. Okt 2018, 13:05

Hallo Birgit,

bei mir MUSS der Hund nur so ein Verhalten zeigen dass das er sich weder selbst noch andere in Gefahr bringt. Einzige Voraussetzung für alles andere.
Das ist ein MUSS auch schon mit 1 Jahr. In allen anderen Sachen lass ich den Hund eben auch Hund sein und halte es, je älter ich werde, immer mehr mit der laissezfaire-Haltung.
Ich kenne den Airedale als klugen Hund der aber kein Befehlsempfänger ist und das auch oft genug zeigt wenn er von einer Sache nicht überzeugt ist. Das ist mit mir denn auch verhandelbar wenn er anderer Meinung ist, sofern es nicht unsere MUSS-Regel betrifft.
Klar weiß ich schon dass das sicher in kein Hundeerziehungsprogramm passt und auch sicher keinen unbedingten Gehorsam nach sich zieht. So leben Greta und ich aber ziemlich entspannt miteinander auch wenn ich mir immer vor Augen führe dass ein Airedale nun einmal kein gutes Zirkuspferd abgibt. Da ich mich fast den ganzen Tag über auch mit Greta unterhalte, was ja eigentlich verboten ist denn ein Hund wird laut Hundetrainer dadurch ja nur abgelenkt und hört nicht mehr auf das Wesentliche nämlich Kommandos, hat es sich im laufe der Zeit schon so ergeben dass wir auch die jeweilige Stimmung und Körpersprache mit in unsere Kommunikation einfließen lassen und so ziemlich genau wissen was der andere Partner gerne möchte. Wie gesagt ein Airedale ist wirklich schlau und ich kann es an Gretas Augen ablesen wenn sie mich ansieht und versucht zu erraten was ich von ihr möchte, auch wenn Greta natürlich keine ganzen Sätze versteht kapiert sie schon den Zusammenhang vieler ihr geläufigen Worte. (ergibt sich so wenn man nicht die Klappe halten kann und meint dem Hund alles erklären zu müssen). Meist haut das hin und das freut uns dann beide.
Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gekommen dass sich vieles von selbst ergibt wenn man den Hund Hund sein lässt und ich glaube nicht mehr dass ein Airedale unbedingt eine Ausbildung nach Schema F braucht und alles mögliche können muss. (Mir genügt es zu wissen dass er es können könnte). Das bleibt natürlich bei einem Gebrauchshund wie es der Airedale nun einmal ist jedem selbst überlassen. Man braucht sich aber keinesfalls selbst unter Zugzwang setzen.

Darüber werden sicher schon einige Leute den Kopf schütteln die von ihren Hunden absoluten Gehorsam verlangen, dass sie aufs Wort hören und spuren wenn im Kommandoton Befehle erteilt werden und der Hund dabei ununterbrochen auf den Halter und Befehlgeber fixiert ist und ihn nicht aus den Augen lässt. Ja das habe ich vor zig Jahren auch so mit dem Airedale gemacht aber heute macht mir das einfach keinen richtigen Spaß mehr. Natürlich kann ich mich mit Greta auch überall sehen lassen und wo ich sie nicht mit hinnehmen kann gehe auch ich nicht hin. Wir gehen bzw. fahren jeden Tag an nahegelegene Seen oder auch mal an die Weser, spielen mit vielen anderen Hunden, laufen morgens und abends hier ihre Revierrunden, fahren mal ein Stück am Fahrrad und auch immer alle zusammen in Urlaub und lassen es uns ansonsten ohne irgendwelchen übertriebenen Ehrgeiz gut gehen.
(Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht der Versager).

Und das konnte Greta (von Natur aus) auch schon alles mit einem Jahr.

Viele Grüße von lutz mit Greta
Zuletzt geändert von lutz am Mi 3. Okt 2018, 14:39, insgesamt 2-mal geändert.
Die Beziehung zwischen einem Mann und seinem Hund ist heilig,
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon sabem » Mi 3. Okt 2018, 13:40

Hallo Lutz,
was Deinen gesamten Beitrag betrifft: ich bin komplett Deiner Meinung; genau so geht es uns auch mit Emma, und ihr mit uns.
Sabine mit Emma *3.2.2012
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Benno » Mi 3. Okt 2018, 14:44

@ Lutz und sabem

Auch mir ist Eure Meinung sehr sympathisch und auch hier geht es sehr entspannt zu.
Das es so am besten mit klugen Hunden klappt, habe ich schon vor Jahren von meiner kleinen Dackel-Hündin gelernt.

Da meine beiden Jungs so gut wie immer ohne Leine laufen, ist bei uns der Rückruf nicht verhandelbar.
Der muss draußen immer und sofort befolgt werden.
Darauf achte ich vom ersten Tag an und das Rückruf-Training dauert bei mir ein Hundeleben lang.
Außerdem bestehe ich unterwegs auch auf der sofortiger Ausführung von "Sitz" und übe das regelmäßig.
"Sitz" ist für mich sehr nützlich, um die Hunde auch mal schnell stoppen zu können, wenn ich z.B. mal ein Auto oder einen anderen Hund zu spät bemerke.

"Steh" , "Warte" und "Zurück" sind unterwegs für mich ebenfalls sehr hilfreich - aber das lernen junge Hunde bei mir noch nicht im ersten Jahr.
Unterwegs bin ich grundsätzlich strenger - zu Hause geht es deutlich lockerer zu, weil dort ja weniger Gefahren drohen.

Wir sprechen in sicherer Umgebung auch anders mit den Hunden - sagen dann z.B. "Setz Dich mal hin" (.... ok stimmt nicht ganz- wir sagen "Setz Dich mal bitte hin" happy_02 ).
Das wird dann je nach Situation vom Hund gemacht - oder nicht - und er entscheidet auch selbst, wann er wieder aufsteht- falls er sich vorher hingesetzt hat.
Meist klappt es aber gut- unsere Hunde verhalten sich ganz toll im Haus.

Ebenfalls wichtig von Beginn an ist mir die Umweltsicherheit. Ich möchte meine Hunde überall mitnehmen können, ohne dass wir unangenehm auffallen.

Hundesport sehe ich als Freizeit und zusätzlichen Ausgleich, der in erster Linie den Hunden und mir Spaß machen soll.
Nur so lange das so ist, werde ich Hundesport betreiben.

Viele Grüße von Anke mit Benno, Jaron und Katze Blue
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Morgenstern » Mi 3. Okt 2018, 22:02

Danke euch für eure Antworten, mit jeder davon kann ich gut etwas anfangen! Ich glaube, dann sind wir recht gut davor.

Mein letzter Hund war ein Viszla und der tickte deutlich anders. Sehr viel anhänglicher und verschmuster, aber auch sehr viel mehr Jagdtrieb... Wir wohnten auch anders, ländlicher, viel weniger Hundekontakte unterwegs. Und dann ist es auch schon 13 Jahre her, dass er zu uns kam. Ich erinnere mich an nichts mehr :dog_wacko .

@ Lena, wie konditionierst Du den Superrückruf? Sowas brauche ich auch.

Ich übe fast täglich Rückruf, Sitz auf Distanz- das sind meine Sicherheitsbefehle. Letzterer klappt recht zuverlässig, ersterer, wie schon gesagt, nicht so, dass ich zufrieden bin. Das ist echt Tagesform. Wir leben am Stadtrand und ich arbeite in der Stadt und jede Hundewiese ist nicht sehr weit von einer Straße weg. Er kann gut hinter mir laufen ('hinten') und neben mir ('ran'), 'Stop' klappt auch ziemlich gut.

Ich muss noch besser werden, ihn zu lesen. Ich lerne derzeit, dass ich ihn eigentlich immer anleinen sollte, wenn in seiner Körpersprache etwas Neues auftaucht. Mich ärgert weniger, dass er nicht perfekt ist, sondern dass ich Fehler mache :crazy:. In letzter Zeit macht er sich gern mal kurz selbständig und verschwindet bei einem Spaziergang um die Ecke - und jedes Mal hatte sich seine Körpersprache verändert und es gab ein kleines Zeitfenster für mich, ihn anzuleinen. Einmal war es offenbar die Spur einer läufigen Hündin, ein anders mal eine Hündin im Freilauf, die er dringend kennenlernen wollte. Und sie mochten sich so, dass er mich eine Viertelstunde sitzen ließ. Ich gehe aus Prinzip nicht hinterher. Eher gehe ich ein Stück in die andere Richtung. Seit er das Trailen begonnen hat, macht ihm das alles aber so gar keine Sorgen mehr, wie es scheint. Er findet mich ja eh! :dog_tongue

@ Anke/Benno, Du sagst, Rückruf ist bei Dir nicht verhandelbar, meine ich auch - aber was ist die Konsequenz, wenn sich Hund nicht bewegt, wie er soll? Kalle läuft viel frei und hat einen recht großen Radius. So lange Schleppleinen gibt es gar nicht.

Lieber Gruß aus Kiel
Birgit mit Kalle
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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Benno » Do 4. Okt 2018, 00:12

Hallo Birgit,

die Konsequenz ist bei mir ein "Donnerwetter", das sich gewaschen hat- natürlich in der Intensität der Strafe immer angepasst an die Mentalität des Hundes.
Da ich den Rückruf ab dem ersten Tag des Freilaufs mit meinen Welpen trainiere, reichte bisher bei meinen Hunden immer das verbale Donnerwetter (in tiefer Stimmlage verabreicht) als disziplinarische Maßnahme aus.
Es kann aber sein, dass Du Deinen Youngster im besten Flegelalter nachhaltiger für ein Fehlverhalten bestrafen musst.
Die Strafe muss immer so gewählt werden, dass sie den Hund zwar nachhaltig beeindruckt, aber ihn natürlich weder physisch noch psychisch verletzen kann.
Es muss auch nicht immer "Strafe" im herkömmlichen Sinn sein - kommentarlos anleinen und eine Spielsituation verlassen kann z.b. auch eine sehr wirksame Strafe sein.

Der Hund muss sich außerdem durch richtiges Verhalten der Strafe entziehen können und bekommt dann - bei Dir- nach Befolgen des Rückrufs- sozusagen das "Paradies auf Erden" - Leckerchen, Lob, Streicheleinheiten, Spiel... eben all das, was er besonders mag und ihm angenehm ist.

Die Methode die ich einsetze nennt sich "Hüttenzauber mit Donnerwetter" und wird von Peter Scherk/Dr. Florian Knabl im Buch "Gemeinsam Erfolgreich" beschrieben.
Im Kern läuft dabei alles darauf hinaus, richtiges Verhalten überschwänglich zu belohnen und Fehlverhalten sofort konsequent zu ahnden.

Wenn der Rückruf bei Euch derzeit noch nicht immer optimal klappt würde ich den unangeleinten Kalle vorerst nur zurückrufen, wenn ich sicher bin, dass er den Rückruf befolgt (z.B. auf relativ kurze Distanzen, ohne andere Ablenkungen).
Jeder Erfolg wird mit dem "Paradies für Kalle" belohnt.
Klappt das sicher, erhöhst Du die Distanz oder rufst gezielt unter (selbst provozierter) Ablenkung ab - zunächst immer mit dem an der Schleppleine abgesicherten Hund. Es gibt übrigens durchaus 30 m lange Schleppleinen - aber fang besser mit einer kürzeren an.
Bei jedem Misserfolg gibt es das "Donnerwetter/die Strafe"- bei jedem Erfolg das "Paradies".

Achte beim Training darauf, dass der Hund den Rückruf nicht mit etwas Negativem verknüpft.
Wenn z.B. der Rückruf aus dem Spiel klappt, dann lob den Hund und lass ihn danach nochmal weiter spielen.
So vermeidest Du, dass er den Rückruf mit dem Spielende verknüpft.

Zu Beginn lobe schon kleinste richtige Tendenzen im Verhalten von Kalle (z.B. bestätige schon mit hoher Stimme "Suuuuper Kalle, komm schnell...", wenn er Dich nur aus der Ablenkung heraus anschaut. Seine Aufmerksamkeit kannst Du an der Schlepp z.B. über ein kurzes Zuppeln an der Leine bekommen.

Bestätige immer auch schon die ersten Schritte in Deine Richtung - lobe ihn auf keinen Fall erst dann, wenn er schon bei Dir ist.
Ich bestätige im Aufbau immer die ganze Zulauf-Phase des Hundes zu mir mit hoher Stimme: Suuuuper, Toll usw.
Das gibt dem Hund schon während des Zulaufs die Gewissheit, dass er jetzt gerade genau das Richtige tut und garantiert eine tolle Belohnung zu erwarten hat, wenn er nur möglichst schnell bei mir ist.
Bei Welpen und sehr jungen Hunden klappen die ersten Rückruf-Übungen übrigens fast immer ganz automatisch, wenn man dabei in die Hocke geht - also für den Welpen die
Spielstellung einnimmt.
Das alles führt dann in der Gesamtheit zum schnellen, sicheren und freudigem Befolgen des Rückrufs.

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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon Lena » Do 4. Okt 2018, 12:53

Hallo Birgit,

der Superrückruf erfolgte bei all meinen Hunden immer auf die Hundepfeife, die setze ich wirklich nur ein, wenn der Hund unbedingt und sofort zurückkommen muß. Wenn der Hund zügig zurückkommt, gibt es zur Belohnung ein besonderes Leckerchen (Fleischwurst oder Käse).
Beim normalen Rückruf reicht das Kommando "hier".

Morgenstern hat geschrieben:, dass er mich eine Viertelstunde sitzen ließ


Sowas geht überhaupt nicht! Eine viertelstunde Stunde würde ich niemals auf den Hund warten. In so einem Fall würde ich den Hund holen, wortlos anleinen und weitergehen.

Wenn Kalle eine läufige Hündin in die Nase bekommt, müßtest du das aber gut erkennen können. Meistens schnüffeln sie sich vorher an einer Stelle fest und fangen an mit den Zähnen zu klappern. Das war für mich immer Alarmstufe rot; Hund sofort anleinen, sonst ist er weg.

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Re: Was sollte der Hund mit einem Jahr können?

Beitragvon lutz » Fr 5. Okt 2018, 10:23

Hallo Birgit,

ich melde mich auch noch einmal.
Man kann einen jungen Hund auch überfordern indem er gleich immer alles und sofort können soll.
Lieber etwas mehr Zeit lassen beim Erlernen von neuen Aufgaben, und dann die wichtigen Sachen die verhindern dass er sich selbst oder auch andere gefährden könnte so oft wiederholen bis diese auch richtig sitzen bevor man unwichtigere Sachen anpackt.
Ehrlich gesagt finde ich gleich drei Sachen auf einmal wie Unterordnung in der Junghundgruppe und dann noch Agility und Mantrailing ganz schön happig.

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